Es darf einfach sein
- vor 5 Tagen
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Leicht - es ist darf einfach sein.
Beweglich - es kann sich verändern.
Innig - es wird dich berühren.
Warte ab, lass zwischendurch los und mach eine schöpferische Pause.
Nur weil du jetzt schon mal die Farben bereit gelegt hast,
nur weil du dir endlich mal die Zeit dazu nimmst,
nur weil dir ein Motiv eingefallen ist, das du darstellen willst -
heißt es noch lange nicht, dass du auf einen Schwung gerade jetzt fertig wirst.
Es kann sein, du zeichnest ein Motiv nochmal wiederholt.
Ein Koch oder eine Köchin probiert auch immer wieder ein neues Gericht, bis es den Geschmack hat, der ihm oder ihr vorschwebt.
In der Produktentwicklung gibt es immer einer Prototypen und Loops zu nächsten Entwicklungsstufe, bevor etwas in Serie geht.
Wie viel Übung ist notwendig, um in der Kalligrafie mit einem dicken Pinsel die Tusche ohne abzusehen schwungvoll auf das dünne Papier zu setzen?
Und bei den Zeichenkursen wirst du mit dir selber ungeduldig?
Weil du nun schon so oft dabei warst, weil du dir doch extra neue Stifte gekauft hast oder weil du dir doch extra die Kosten zusammen gespart hast?
Ich erzähl dir mal was:
In der Ausbildung zum Schmuckdesign hatten wir mal das Thema: „Von der Hand in den Mund - ein Essbesteck“.
Ich hatte eine Idee für ein federunterstütztes Salatbesteck, so dass ich mit einer Hand den Salat aus der Schüssel entnehmen kann, während ich in der anderen Hand meinen Teller halte. Super genau vorgezeichnet, genau überlegt, wie die Mechanik in das hohle Rohr verteilt wird, dass genug Kraft in den greifenden und Blättern ähnlichen Laffen vorne an meinem Salateinzelbesteck steckt.
Der Prototyp funktionierte einigermaßen, alles war Silber, wie geplant, nur die Feder Edelstahl, viel Geld steckte da drin - und dann war ich aber immer noch nicht von der Funktion überzeugt, weil es nicht leichtgängig genug wurde.
Was machte mein Lehrer in der Besprechung mit mir? Er nahm den Prototyp und warf in den Mülleimer neben mir.
Zack, das saß.
Ich war so schockiert, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Und dann sagte er - jetzt lass mal alles los und fang nochmal ganz neu an zu denken.
Es entstand ein neues ganz anderes Besteck zu dem Thema, in dem ich dann das „Von der Hand in den Mund“ sehr viel wörtlicher nahm und der erste Prototyp (der ohnehin weich im Papiermüll landete, ohne Schaden zu nehmen und so dass ich ihn wie raus nehmen konnte) ist mein Symbol im Atelier für verfahrene Situationen geworden.
Also, frag dich, warum was wie werden soll - wer sagt, dass du perfekt sein sollst und was ist perfekt?
Bei den Übungen in den Seminaren den Unterschied zwischen spielerischen Schraffur Übungen und dem darstellenden Zeichnungen in dir drin zu spüren - wann setzt du dich unter Druck und wann bist du frei und zeichnest einfach - dieser Unterschied ist schon einer erster Schritt, dich selbst anzunehmen, deine Arbeit zu akzeptieren und wie bei mir den Prototyp einfach nochmal zu durchdenken.
Verstehe mich bitte nicht falsch - ich liebe es auch, besser und besser zu werden, genauer zu zeichnen oder im richtigen Moment den Schwung loszuketten und dann aufzuhören - aber manchmal ist das ein Bild nur die Stufe zum nächsten.
Und genauso: Manchmal ist etwas einfach schon fertig und toll, wir müssen es auch nicht kaputt malen und immer wieder dran sitzen.
Diese Gratwanderung, zu spüren, wann es passt, wann ein Bild fertig ist, macht es ein Leben lang spannend und interessant, weiter zu üben und auch in den Austausch mit anderen zu gehen wie bei den Seminaren zum puren oder meditativen Zeichnen.


