Paradox, aber erklärbar
es ist schon so,
wenn ich am Beginn eines Seminars oder für Leute, die noch nie dabei waren, erkläre, was wir über die Seminarzeit verteilt beim meditativen Zeichnen machen – dann klingt Manches paradox.
Da ist insbesondere diese "wertfreie Wahrnehmung" von der ich erzähle und die das Meditieren in Stille umfängt.
Etwas wahrnehmen, Geräusche von außen, Husten neben mir, und das jedes Mal ohne eine innere Beurteilung nur hinnehmen, gehen lassen – ist das dann etwas von Ignorieren und kann darin nicht auch eine negative Bewertung liegen?
Oder das Üben – übe ich zum Beispiel beim Musizieren nicht eine Stelle ständig wieder, um sie dann zu beherrschen, und weil ich sie eben abwertend nicht gut genug finde in der Ausübung?
Wie soll ich meditatives Zeichnen üben, ohne zu bewerten – das Ergebnis der Zeichnungen liegt doch vor mir?
Hm, ehrliche Fragen -
ein Versuch, zu antworten:
Also wertfrei wahrnehmen, aber nicht daran hängenbleiben, ist etwas anderes als Ignoranz.
Ich höre das Husten oder Schnaufen neben mir, bin auch ganz achtsam im Hören, ignoriere es also nicht – aber es hat nun nichts mit meiner eigenen Versenkung in die Atmung und das Meditieren zu tun. Ebenso kann es sein, dass ich zeichne und gar nicht spüre, dass die Zeit vergeht. Ich lehne etwas nicht ab – dazu kommt es schon gar nicht, nicht mal so weit gehe ich hinein, ich höre, und nicht mehr, nicht weniger. Ja, ich höre, fein. Fertig.
Oder üben und auch dabei entspannt bleiben, ja, absichtsfrei –
das Ziel des Seminars ist ja ein anderes als in dem Chor, in dem ich singe, ein Chorwochenende – da üben wir immer wieder für Konzerte. Aber in den Seminaren der ruhende Linie machen wir ja keine Ausstellung oder am Ende einen Eignungstest.
Wir genießen den Prozess – üben und wiederholen die Übung – und tun das ganz für uns, unseren inneren Weg. Das Ergebnis der ruhende Linie Seminare sind also nicht die Zeichnungen, die vermeintlich als diese angesehen werden könnten.
Das, was zählt, ist dein Inneres.
Vorher und nachher und auf dem weiteren Weg. Ähnlich wie beim Pilgern, da ist auch der Weg das Ziel.
Ehrlich gesagt, ist das beides jeweils paradox und eigentlich nur zu erspüren – mitkommen, ausprobieren, sich einlassen und erleben.
Dich und die anderen,
den Ort und dein Inneres,
das Zeichnen und das Meditieren.


