Advent - und jetzt?

Es ist das Wochenende vom ersten Advent. So schön hatte ich es mir vorgestellt: Wir wären jetzt in Wien, würden geliebte Menschen besuchen.

In einem besonderen Hotel würden wir uns freuen, wieder in meiner ehemaligen Heimat zu sein. Die schöne Straßenbeleuchtung würde uns erfreuen - wäre, hätte, könnte - ist nicht.


Ja, ich gebe zu, als erst der Lockdown in Österreich klar wurde und wir alles absagen musste, habe ich geweint. Die Gefühle liefen über.

Und dann habe ich ein Paket gepackt mit den Mitbringseln und sie allein auf die Reise geschickt. Ich weiß, alles ist gut angekommen und im Herzen sind wir verbunden.


Nun ist hier auch Lockdown in unserem Landkreis. Im Fernsehen wird berichtet von Intensivpatienten, die in andere Bundesländer geflogen werden, weil hier alles voll ist.


Und jetzt?


"Alles hat seine Zeit" lese ich im Adventskalender des Geistigen Zentrums St. Martin in München. Ich überlege, lese den kompletten Einleitungstext, wo es heißt:

"Diese Wochen vor Weihnachten sind eine Zeit des Innehaltens, Horchens, Schauens, Wartens, Zeit der Neuorientierung. Dazu lädt auch dieser Adventskalender ein". Danke, ich bin eingeladen.

Diese Einladung nehme ich gerne an - lese und lasse mich inspirieren.

Und gebe diesen Adventskalender hier gern an Euch weiter als pdf.

Adventskalender_2021
.pdf
Download PDF • 576KB

Und was noch?

Was ist denn nun Advent ohne Besuch, ohne Christkindlmärkte, ohne ohne...

Sehe ich jetzt nur, was ich nicht habe?


Als meine Kinder klein waren, habe ich am ersten Adventwochenende die Bauten zur Krippe schon hingestellt. Der Ochse war schon da. Das Gestell für die Krippe auch.

Weiter weg standen Schafe mit den Hirten.

Und die Figuren Maria und Josef mit dem Esel fingen an, durch die Wohnung zu ziehen. Jeden Abend stellten die Kinder sie irgendwo anders hin. Immer weiter sind die beiden mit ihrem Esel gezogen.

Ich wollte den Kindern veranschaulichen, was in der Geschichte steckt - eine Wanderung. Ein Warten auf das Kind, das bald geboren wird.


Wir haben in unserer Familie selbst einen Geburtstag am 23.12. und konnten kurz vor dieser Geburt nochmal nachempfinden, was das wohl bedeutet haben muss - so hoch schwanger in die Fremde gehen oder auf dem Esel reiten.


Hat das nun irgendwas mit mir heute zu tun? Gibt es da was, das mich heute im jetzigen Leben und in der momentane Situation inspiriert, um mit den Unwägbarkeiten umzugehen?

Ich denke an die Menschen auf den Intensivstationen und deren Angehörige und merke - das ist mir alles zu viel. So viele Nachrichten und Empfindsamkeiten, scheinbar unüberwindbare Meinungen und Unterschiede. Was mache ich mit allen diesen Informationen - kann ich etwas damit tun?

Wahrnehmen, wertfrei wahrnehmen, achtsam mit den Menschen sein, egal welcher Einstellung sie folgen, ruhen, in mich gehen, zuhören - puh, das ist schwer und ich merke, ein schwieriger Ritt ist das dieses Jahr wieder hin bis zu Weihnachten.

Innehalten und den Adventskalender mit seinen Texten auf mich wirken lassen - das kann ich aber machen.

Das ist eine kleine Zeit des inneren Friedens - und Kraft tanken. Dann wieder arbeiten, im Job Leistung bringen, wie immer. Oder Plätzchen backen? Nein das lasse ich jetzt mal weg. Ich mache jetzt einfach weniger. Aber ich schreibe Briefe und bereite Geschenke in der eigenen Werkstatt vor - will Verbundenheit und Liebe in die Tat umsetzen und aus dem weniger mehr machen.


Es heißt ja "warten" , es heißt nicht "abwarten" beim Adventskalender.

Also warte ich und nähe, was ich reparieren wollte, schmiede, was ich als Geschenk weiter geben möchte, singe, was mich stärkt und meditiere. Achja, meditieren ist besser als nichts tun :)

Danke